Sich fühlen wie Gott in Frankreich
1963 wurde zwischen Deutschland und Frankreich in Paris ein Vertrag geschlossen, der Elysée-Vertrag. Sein Ziel: Kontakte auf allen Ebenen zu knüpfen, das Zusammenleben, die Zusammenarbeit der beiden Nachbarvölker zu fördern und so eine Jahrhundert alte "Erbfeindschaft" zu beenden.
Besondere Hoffnungen wurden auf die Kontakte unter den Jugendlichen gesetzt, das deutsch-französische Jugendwerk wurde geschaffen. Es bewirkte viel Gutes, aber eigentlich nur zwischen den Franzosen und den Deutschen in den alten Bundesländern. An uns im Osten gingen diese Bemühungen vorbei. Unser westliches Nachbarland Frankreich ist auch jetzt noch vielen von uns fremd. Man fragt sich, wie sie denn eigentlich sind, die Franzosen. Und so mancher glaubt zu wissen, sie seien besonders elegant oder arrogant oder extravagant.
Wir sind schon zum 2.Mal hin gefahren, aber ein Urteil fällen können wir nicht. Wir, das sind einige Schüler/innen der ehemaligen 8. und 9. Klasse und 2 Lehrer vom Gymnasium aus Oberwiesenthal. Wir haben den 2. Schüleraustausch organisiert
Am 12. Mai ging die Fahrt nach Montrouge am südlichen Stadtrand von Paris los. Dieses Mal reisten wir per Bahn. Wir waren eine Woche dort, wurden in den Familien unserer Austauschpartner aufgenommen, sind mit ihnen in die Schule gegangen, waren beim Bürgermeister von Montrouge eingeladen, haben uns so viel wie möglich von Paris angesehen.
Wir haben erlebt, was Großstadtleben in Frankreich bedeutet und haben miteinander gefeiert. Und das Schöne ist: Wir haben gelernt, dass es DIE Franzosen nicht gibt. Es gibt die temperamentvollen, eleganten, arroganten, extravaganten ebenso wie die schüchternen, sportlichen, zurückhaltenden und bescheidenen Franzosen. Sie sind wie wir. Und sie wollen den Kontakt mit uns, sie sind offen uns gegenüber. Und wir wollen diesen Kontakt weiter pflegen.

Der 40 Jahre alte Elysée-Vertrag ist lebendig. Nun wirkt er hier bei uns weiter.
M. Wanicki
       
30 französische Schüler im Schnee von Oberwiesenthal